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<title>Ichideal</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Ichideal</span></h1>
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</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Das <b>Ichideal</b> (auch in der Schreibweise <b>Ich-Ideal</b>) wird in der <a href="Psychoanalyse" title="Psychoanalyse">Psychoanalyse</a> als eine Richtung gebende und Wert orientierte Substruktur des <a href="%C3%9Cber-Ich" class="mw-redirect" title="Über-Ich">Über-Ichs</a> beschrieben, die nicht mehr an die Anerkennung oder Missbilligung durch die Eltern gebunden ist. Beim Erwachsenen hat sie verschiedene Phasen der Entwicklung durchlaufen und sich als Resultat von Identifizierungen mit verschiedenen <a href="Bezugsperson" title="Bezugsperson">Bezugspersonen</a> zu einem stets präsenten Maßstab herausgebildet, an dem Wünsche und Verhaltensweisen hinsichtlich ihrer Konsequenzen für die eigene Person und die Gemeinschaft eingeschätzt werden.<sup id="cite_ref-Mertens_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-Mertens-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p><a href="Entwicklungspsychologie" title="Entwicklungspsychologie">Entwicklungspsychologisch</a> wird seine Entstehung in der frühen <a href="Narzissmus" title="Narzissmus">narzisstischen</a> Phase verortet, während der übrige Teil des Über-Ichs in der <a href="%C3%96dipuskonflikt" title="Ödipuskonflikt">ödipalen Phase</a> entstehe. Als Vorläufer des Ichideals werden die idealisierten Eltern-<a href="Imago_(Psychologie)" title="Imago (Psychologie)">Imagines</a> und die idealisierten Selbstbilder angesehen. Das Ichideal nimmt in der <a href="Latenz_(Psychologie)" title="Latenz (Psychologie)">Latenzzeit</a>, <a href="Pubert%C3%A4t" title="Pubertät">Pubertät</a> und im <a href="Erwachsenenalter" title="Erwachsenenalter">Erwachsenenalter</a> weitere Impulse auf und unterliegt somit einer Transformation und Depersonifizierung.<sup id="cite_ref-Mertens_1-1" class="reference"><a href="#cite_note-Mertens-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Gesellschaftlich lassen sich die Formungen der Ichideale in einer Kultur über das Individuelle hinaus beschreiben, wie etwa die <a href="Hierarchie" title="Hierarchie">Hierarchisierung</a> der männlichen gegenüber den weiblichen Ichidealen in <a href="Patriarchat_(Soziologie)" title="Patriarchat (Soziologie)">patriarchalen</a> Gesellschaften und die Auswirkungen von generations- und <a href="Transgenerationale_Weitergabe" title="Transgenerationale Weitergabe">transgenerational</a> prägenden historischen Phasen oder politischen Ereignissen.<sup id="cite_ref-Mertens_1-2" class="reference"><a href="#cite_note-Mertens-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Begriffsgeschichte">Begriffsgeschichte</h2></div>
<p>Den Begriff Ichideal führte <a href="Sigmund_Freud" title="Sigmund Freud">Sigmund Freud</a> im Jahre 1914 in seiner Schrift <i>Zur Einführung des Narzißmus</i> in die <a href="Psychoanalytisch" class="mw-redirect" title="Psychoanalytisch">psychoanalytische</a> Theoriebildung ein. In dieser Schrift heißt es: „Was der Mensch als sein Ideal vor sich hin projiziert, ist nur der Ersatz für den verlorenen Narzißmus seiner Kindheit, in der er sein eigenes Ideal war“.<sup id="cite_ref-1914_Freud_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-1914_Freud-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Nach dem Verlust des primären <a href="Narzissmus" title="Narzissmus">Narzissmus</a>, d. h. dem Verlust der Zeit der Verschmelzung mit der Mutter, strebe der Mensch zeitlebens (vergeblich) zurück zu diesem Zustand. Die Realität werde dabei – soweit möglich – ausgeblendet. Sigmund Freud hierzu: „Wer das Seelenleben des Menschen kennt, der weiß, daß ihm kaum etwas anderes so schwer wird wie der Verzicht auf einmal gekannte Lust. Eigentlich können wir auf nichts verzichten, wir vertauschen eins mit dem anderen.“<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Durch die Verschiebung der Libido auf das Ichideal ist es möglich, die Erfüllung des Ichideals als Befriedigung zur erleben.<sup id="cite_ref-1914_Freud_2-1" class="reference"><a href="#cite_note-1914_Freud-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Psychoanalytikerin <a href="Janine_Chasseguet-Smirgel" title="Janine Chasseguet-Smirgel">Janine Chasseguet-Smirgel</a> definierte in Anlehnung an dieses Zitat von Sigmund Freud den Begriff Ichideal folgendermaßen: „Das Ichideal erscheint als der Ersatz der primär-narzißtischen Vollkommenheit, aber als ein Ersatz, der vom Ich getrennt ist durch einen Abstand, eine Kluft, die der Mensch immer wird zu beseitigen versucht.“<sup id="cite_ref-:0_4-0" class="reference"><a href="#cite_note-:0-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Aus psychoanalytischer Sicht macht der Wunsch nach Verschmelzung von Ich und Ichideal den Menschen anfällig für Realitätsverweigerungen und Illusionen.
</p><p><a href="Alfred_Adler" title="Alfred Adler">Alfred Adler</a> sah in Freuds Konzept des Ichideals eine Annäherung an sein <a href="Teleologie" title="Teleologie">teleologisches</a> Menschenbild, da es ermögliche, den Menschen als von seinen Werten her, etwa dem Gemeinschaftsgefühl, bestimmt zu betrachten.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Auch die <a href="Objektbeziehungstheorie" title="Objektbeziehungstheorie">Objektbeziehungstheorien</a> und die <a href="Selbstpsychologie" title="Selbstpsychologie">Selbstpsychologie</a> sehen die Entstehung der Ichideale in der <a href="Pr%C3%A4genital" title="Prägenital">präödipalen</a> Zeit der frühkindlichen Entwicklung. <a href="Heinz_Kohut" title="Heinz Kohut">Heinz Kohut</a> beschrieb die Entstehung des Ichideals von zwei Figurationen aus: der Erfahrung des Größenselbst und den idealisierten Elternimagines. Ersteres zeige sich als die Erfahrung der Bewunderung durch die Eltern für dessen kindliche Fähigkeiten, letzteres umfasse die Fähigkeiten und Kenntnisse, die das Kind (noch) nicht habe, an denen es aber durch <a href="Identifikation_(Psychologie)" title="Identifikation (Psychologie)">Identifikation</a> mit den Eltern partizipiere, im Sinne des Satzes: „Du bist vollkommen, aber ich bin ein Teil von dir.“ Aus dem Größenselbst entwickeln sich nach Kohut die Strebungen nach Erfolg, Macht und Freude an der eigenen Aktivität, aus der Identifikation mit den idealisierten Eltern die idealisierten Selbstbilder. Die Selbstpsychologie beschreibt sowohl die Sehnsucht nach der Verschmelzung mit der frühkindlichen Vollkommenheitserfahrung, die Möglichkeit des Erlebens von Momenten der Übereinstimmung von Selbstwahrnehmung und Ichideal als auch die Störungen und Leidenszustände durch defizitäre frühkindliche Erfahrungen. So behalten nach <a href="Otto_F._Kernberg" title="Otto F. Kernberg">Otto Kernberg</a> negative Verinnerlichungen ihre primitive, aggressive Qualität, die durch <a href="Abwehrmechanismen" class="mw-redirect" title="Abwehrmechanismen">Abwehrmechanismen</a> kompensiert werden müssten und das eigene Selbstbild verzerrten.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Abgrenzung_Ichideal_und_Über-Ich"><span id="Abgrenzung_Ichideal_und_.C3.9Cber-Ich"></span>Abgrenzung Ichideal und Über-Ich</h2></div>
<p>Als Sigmund Freud in der erwähnten Schrift <i>Zur Einführung des Narzißmus</i> im Jahre 1914 den Begriff Ichideal zum ersten Mal verwendete, war für ihn der Begriff noch gleichbedeutend mit dem Begriff des <a href="%C3%9Cber-Ich" class="mw-redirect" title="Über-Ich">Über-Ich</a>. Seit seiner Schrift <i><a href="Das_Ich_und_das_Es" title="Das Ich und das Es">Das Ich und das Es</a></i> aus dem Jahre 1923 und der Einführung des Über-Ich als zentrales Element seines Strukturmodells wurde das Ichideal nach Auffassung von Chasseguet-Smirgel vom Über-Ich „buchstäblich absorbiert“.
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Aus der psychoanalytischen Literatur wird allerdings deutlich, daß der Ausdruck ›Über-Ich‹ den des ›Ichideals‹ nicht verdrängt hat. Die meisten Autoren verwenden die beiden Ausdrücke nicht synonym.“
</p>
</blockquote>
</div><div class="cite" style="margin:-1em 0 1em 1em;">– <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261921330">
/* start https://de.wikipedia.org/ */
.mw-parser-output .Person{font-variant:small-caps}
/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><span class="Person h-card"><a href="Jean_Laplanche" title="Jean Laplanche">Laplanche</a> und <a href="Jean-Bertrand_Pontalis" title="Jean-Bertrand Pontalis">Pontalis</a></span>: <cite style="font-style:normal"><i><a href="Das_Vokabular_der_Psychoanalyse" title="Das Vokabular der Psychoanalyse">Das Vokabular der Psychoanalyse</a></i></cite><sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></div></div>
<p>Mehr als in den strafenden, verbietenden Aspekten des Über-Ichs sah Freud im Ichideal die maßgebliche Einflussgröße für die <a href="Verdr%C3%A4ngung_(Psychoanalyse)" title="Verdrängung (Psychoanalyse)">Verdrängung</a>. Wünsche, die nicht mit dem eigenen Ichideal und den Selbstbildern übereinstimmen, dürfen nicht bewusst werden. Entstehen im aktuellen Ich Diskrepanzen zwischen den eigenen Einstellungen und Handlungen und dem Ichideal, so verursachen diese <a href="Schamgef%C3%BChl" title="Schamgefühl">Scham-</a> oder <a href="Schuldgef%C3%BChl" title="Schuldgefühl">Schuldgefühle</a>, die sich in depressiven Verstimmungen chronifizieren können.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Chasseguet-Smirgel unterschied die beiden Begriffe Ichideal und Über-Ich folgendermaßen: „Das Ichideal ist das Erbe des primären Narzißmus und das Über-Ich das Erbe des Ödipus-Komplexes.“<sup id="cite_ref-:0_4-1" class="reference"><a href="#cite_note-:0-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Eine ähnliche Unterscheidung traf der Psychoanalytiker <a href="Hermann_Nunberg" title="Hermann Nunberg">Hermann Nunberg</a>: „Während sich das Ich dem Über-Ich aus Angst vor Strafe fügt, fügt es sich dem Ichideal aus Liebe“.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ähnlich sieht es <a href="Ernest_Jones" title="Ernest Jones">Ernest Jones</a>, der zwischen den unbewussten verinnerlichten Verboten im Über-Ich und den bewussten, liebenden Anteilen des Ichideals unterscheidet.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <a href="Jeanne_Lampl-de_Groot" title="Jeanne Lampl-de Groot">Jeanne Lampl-de Groot</a> traf die Unterscheidung, dass das Über-Ich eine einschränkende, für das Leben in einer Gemeinschaft unentbehrliche, Instanz sei, während das Ich-Ideal lebenslang eine Instanz der Wunscherfüllung bliebe.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Entwicklungspsychologische_Aspekte">Entwicklungspsychologische Aspekte</h2></div>
<p>In der psychoanalytischen Literatur wird überwiegend die Auffassung vertreten, dass sich das Ichideal im Rahmen einer gesunden psychischen Entwicklung während der Adoleszenz nach und nach im Über-Ich auflösen solle, damit das Über-Ich auf diese Weise zum „Träger des Ichideals“ (Sigmund Freud) werden könne. Die infantilen Allmachtsphantasien können letztlich nur überwunden werden, wenn sich das Ich dem Über-Ich unterordnet und die Realität anerkennt. Chasseguet-Smirgel unterschied die beiden Begriffe Ichideal und Über-Ich folgendermaßen: „Das Ichideal ist das Erbe des primären Narzißmus und das Über-Ich das Erbe des Ödipus-Komplexes.“<sup id="cite_ref-:0_4-2" class="reference"><a href="#cite_note-:0-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Psychoanalytikerin Brigitte Helbich-Tietze verglich die Begriffsdefinitionen psychoanalytischer Konzepte des Ichideals mit idealen Selbstvorstellungen der akademischen Psychologie und untersuchte anhand von drei problemzentrierten Interviews Ideal- und Wertvorstellungen in der <a href="Adoleszenz" title="Adoleszenz">Adoleszenz</a>. In der methodisch an der <a href="Objektive_Hermeneutik" title="Objektive Hermeneutik">Objektiven Hermeneutik</a> orientierten Untersuchung kam sie zu dem Ergebnis, dass Repräsentanzen dynamisch sein müssten, damit es zu einer reifen Ichidealbildung kommen könne, das richtungsweisende, <a href="Emotionsregulation" title="Emotionsregulation">affektregulierende</a> und bedürfnisbefriedigende Funktionen erfülle.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Von der Arbeit mit älteren Patienten ausgehend beleuchtete der Psychologie <a href="Meinolf_Peters" title="Meinolf Peters">Meinolf Peters</a> die Bedeutung der Ichideals in der zweiten Lebenshälfte. Die körperlichen und kognitiven <a href="Altern" title="Altern">Alterungsprozesse</a>, wie auch der Verlust an gesellschaftlichen und familiären Rollen stellten in Entwicklung im Alter eine narzisstische Krise dar. Die damit einhergehenden Infragestellungen könnten, so der Autor, durch ein reifes Ichideal aufgefangen werden, wenn sich dieses als flexibel, autonom und anpassungsfähig erweise. Bei ausreichender Integration des Ichideals könne es auf diese Weise als Quelle narzisstischer Zufuhr erhalten bleiben und Verluste kompensieren.<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Gesellschaftliche_Aspekte">Gesellschaftliche Aspekte</h2></div>
<p>Das Konzept des Ichideals eignet sich auch zur Analyse gesellschaftlicher Zusammenhänge. Bereits Freud beschrieb in <i>Massenpsychologie und Ich-Analyse</i> (1921c) wie sich mithilfe von Ichidealen Vorgänge der <a href="Gruppenkoh%C3%A4sion" title="Gruppenkohäsion">Gruppenkohäsion</a>, etwa in <a href="Glaubensgemeinschaft" title="Glaubensgemeinschaft">Glaubensgemeinschaften</a>, erklären ließen, indem ein und dasselbe Objekt an die Stelle der individuellen Ichideals gesetzt werde, mit dem sich die Mitglieder der Gemeinschaft identifizierten. Seither wird die Bedeutung gemeinsamer Ichideale in verschiedenen Zusammenhängen diskutiert.
</p><p><a href="Transgenerationale_Weitergabe" title="Transgenerationale Weitergabe">Transgenerative</a> Forschungen untersuchten die Auswirkungen des <a href="Zeit_des_Nationalsozialismus" title="Zeit des Nationalsozialismus">Nationalsozialismus</a> auf Ich-Ideale, Identitätserleben und Selbstwertgefühl der deutschen Nachkriegsgenerationen in der Auseinandersetzung mit dem Bewusstsein der Abstammung von den Tätern und Mitläufern. Dabei stehen die Entwicklung der sozialen und emotionalen Beziehungen vor dem Hintergrund gestörter Ichideale im Zentrum der verschiedenen Autoren wie <a href="Alexander_Mitscherlich" title="Alexander Mitscherlich">Alexander</a> und <a href="Margarete_Mitscherlich" title="Margarete Mitscherlich">Margarete Mitscherlich</a>, <a href="Marianne_Leuzinger-Bohleber" title="Marianne Leuzinger-Bohleber">Marianne Leuzinger-Bohleber</a>, Kurt Grünberg und <a href="J%C3%BCrgen_Straub_(Psychologe)" title="Jürgen Straub (Psychologe)">Jürgen Straub</a>.<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der Psychoanalytiker Dieter Funke beschrieb, wie in der zeitgenössischen westlichen Gesellschaft gesellschaftlich verbindende Ichideale durch Selbstoptimierungsstrategien und öffentlich geforderte Tugenden wie Transparenz und Erreichbarkeit religionsähnliche Formen angenommen hätten und durch ihre Einseitigkeit zu Dauererschöpfung und <a href="Depression" title="Depression">Depressionen</a> führten. Er entwickelte als Gegenmodell eine relational fundierte Theorie des Ichideals und stellte ein Instrumentarium bereit, mit dem sich destruktive von konstruktiven Einflüsse von Idealen unterscheiden lassen. Er verfolgte damit die Zielsetzung, entwicklungsfördernde Potenziale von Ichidealen zu entdecken.<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In einer psychoanalytisch-soziologischen Studie setzte sich der Literaturwissenschaftler und Soziologe <a href="Peter_V._Zima" title="Peter V. Zima">Peter Zima</a> kritisch mit der Beziehung zwischen Narzissmus und Ichideal bei Freud und <a href="Jacques_Lacan" title="Jacques Lacan">Lacan</a> auseinander und vertrat demgegenüber eine produktive, kommunikativ-<a href="Dialogisches_Selbst" title="Dialogisches Selbst">dialogische</a> Auffassung des Narzissmus, in der das Anderssein wahrnehmbar werde und das Subjekt sich im Dialog mit dem Anderen entfalte. Er untersuchte die Entwicklung des Ichideals in einer Postmoderne, die nach seiner Auffassung von den Medien dominiert wird und zur Wertindifferenz tendiert. Durch den gesellschaftlich bedingten Zerfall der Ichideale, verliere der zeitgenössische Narzissmus an Substanz.<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-Mertens-1"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Mertens_1-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Mertens_1-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Mertens_1-2">c</a></sup></span> <span class="reference-text"><a href="Wolfgang_Mertens" title="Wolfgang Mertens">Wolfgang Mertens</a>: <i>Ich-Ideal.</i> In: Wolfgang Mertens, Bruno Waldvogel (Hrsg.) <i>Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe.</i> 3., überarbeitete Auflage. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-17-018844-0, S. 318–332.</span>
</li>
<li id="cite_note-1914_Freud-2"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-1914_Freud_2-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-1914_Freud_2-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Sigmund Freud: <cite style="font-style:italic">Zur Einführung des Narzißmus</cite>. In: Sigmund Freud (Hrsg.): <cite style="font-style:italic">Gesammelte Werke</cite>. <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>X</span>, 1914.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Ichideal&rft.atitle=Zur+Einf%C3%BChrung+des+Narzi%C3%9Fmus&rft.au=Sigmund+Freud&rft.btitle=Gesammelte+Werke&rft.date=1914&rft.genre=book&rft.volume=X" style="display:none"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Sigmund Freud: <cite style="font-style:italic">Der Dichter und das Phantasieren</cite>. In: Sigmund Freud (Hrsg.): <cite style="font-style:italic">Gesammelte Werke</cite>. <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>VII</span>, 1908, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>215</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Ichideal&rft.atitle=Der+Dichter+und+das+Phantasieren&rft.au=Sigmund+Freud&rft.btitle=Gesammelte+Werke&rft.date=1908&rft.genre=book&rft.pages=215&rft.volume=VII" style="display:none"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-:0-4"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-:0_4-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-:0_4-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-:0_4-2">c</a></sup></span> <span class="reference-text">Janine Chasseguet-Smirgel: <cite style="font-style:italic">Das Ichideal. Psychoanalytischer Essay über die „Krankheit der Idealität“</cite>. 2. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt 1995, ISBN 3-518-28282-4, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>13</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Ichideal&rft.au=Janine+Chasseguet-Smirgel&rft.btitle=Das+Ichideal.+Psychoanalytischer+Essay+%C3%BCber+die+%E2%80%9EKrankheit+der+Idealit%C3%A4t%E2%80%9C&rft.date=1995&rft.edition=2&rft.genre=book&rft.isbn=3518282824&rft.pages=13&rft.place=Frankfurt&rft.pub=Suhrkamp" style="display:none"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Wolfgang Mertens: <i>Ich-Ideal.</i> In: Wolfgang Mertens, Bruno Waldvogel (Hrsg.) <i>Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe.</i> 3., überarbeitete Auflage. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2008, S. 320.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Wolfgang Mertens: <i>Ich-Ideal.</i> In: Wolfgang Mertens, Bruno Waldvogel (Hrsg.) <i>Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe.</i> 3., überarbeitete Auflage. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2008, S. 321–324.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Jean_Laplanche" title="Jean Laplanche">Jean Laplanche</a>, <a href="Jean-Bertrand_Pontalis" title="Jean-Bertrand Pontalis">Jean-Bertrand Pontalis</a>: <cite style="font-style:italic"><a href="Das_Vokabular_der_Psychoanalyse" title="Das Vokabular der Psychoanalyse">Das Vokabular der Psychoanalyse</a></cite>. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, Frankfurt 1973, ISBN 3-518-27607-7, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>204</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Ichideal&rft.au=Jean+Laplanche%2C+Jean-Bertrand+Pontalis&rft.btitle=Das+Vokabular+der+Psychoanalyse&rft.date=1973&rft.genre=book&rft.isbn=3518276077&rft.pages=204&rft.place=Frankfurt&rft.pub=Suhrkamp+Taschenbuch+Wissenschaft" style="display:none"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Wolfgang Mertens: <i>Ich-Ideal.</i> In: Wolfgang Mertens, Bruno Waldvogel (Hrsg.) <i>Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe.</i> 3., überarbeitete Auflage. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2008, S. 319.</span>
</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text">Hermann Nunberg: <cite style="font-style:italic">Allgemeine Neurosenlehre auf psychoanalytischer Grundlage</cite>. 2. Auflage. Huber, Bern 1932, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>173</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Ichideal&rft.au=Hermann+Nunberg&rft.btitle=Allgemeine+Neurosenlehre+auf+psychoanalytischer+Grundlage&rft.date=1932&rft.edition=2&rft.genre=book&rft.pages=173&rft.place=Bern&rft.pub=Huber" style="display:none"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-10"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-10">↑</a></span> <span class="reference-text">Ernest Jones: <cite style="font-style:italic">Die Genese des Überichs</cite>. In: Ernest Jones (Hrsg.): <cite style="font-style:italic">Die Theorie der Symbolik und andere Aufsätze</cite>. Ullstein, Frankfurt 1978, ISBN 3-548-03480-2, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>384</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Ichideal&rft.atitle=Die+Genese+des+%C3%9Cberichs&rft.au=Ernest+Jones&rft.btitle=Die+Theorie+der+Symbolik+und+andere+Aufs%C3%A4tze&rft.date=1978&rft.genre=book&rft.isbn=3548034802&rft.pages=384&rft.place=Frankfurt&rft.pub=Ullstein" style="display:none"> </span></span>
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<li id="cite_note-11"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-11">↑</a></span> <span class="reference-text">Jeanne Lampl-de Groot: <i>Ich-Ideal und Über-Ich.</i> In: <i>Psyche.</i> Band 17, Nr. 6, 1963, S. 321–332.</span>
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<li id="cite_note-12"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-12">↑</a></span> <span class="reference-text">Brigitte Helbing-Tietze: <i>Was ist ein "reifes Ichideal"? Ein Beitrag zur Präzisierung des Idealsystems.</i> Psychosozial-Verlag, Gießen 2001, ISBN 3-89806-074-8.</span>
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<li id="cite_note-13"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-13">↑</a></span> <span class="reference-text">Meinolf Peters: <i>Narzißtische Konflikte bei Patienten im höheren Lebensalter.</i> In: <i>Forum der Psychoanalyse.</i> Band 14, 1998, S. 241–257.</span>
</li>
<li id="cite_note-14"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-14">↑</a></span> <span class="reference-text">Wolfgang Mertens: <i>Ich-Ideal.</i> In: Wolfgang Mertens, Bruno Waldvogel (Hrsg.) <i>Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe.</i> 3., überarbeitete Auflage. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2008, S. 319 und 325.</span>
</li>
<li id="cite_note-15"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-15">↑</a></span> <span class="reference-text">Dieter Funke: <i>Idealität als Krankheit? Über die Ambivalenz von Idealen in der postreligiösen Gesellschaft.</i> Psychosozial-Verlag, Gießen 2016, ISBN 978-3-8379-2560-9.</span>
</li>
<li id="cite_note-16"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-16">↑</a></span> <span class="reference-text">Peter V. Zima: <i>Narzissmus und Ichideal. Psyche, Gesellschaft, Kultur.</i> Francke-Verlag, Tübingen 2009, ISBN 978-3-7720-8337-2.</span>
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